Statement von Anja Hell

Geschäftsführerin der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen

Geschäftsführerin der Meissen Porzellan-Stiftung

„Die Begeisterung Augusts des Starken für das asiatische Porzellan war ein Grund für die Erfindung des europäischen Porzellans in Sachsen. In Meissen begann vor über 300 Jahren die Erfolgsgeschichte des europäischen Porzellans mit einem jungen Alchemisten, Johann Friedrich Böttger, der im Team die Porzellanrezeptur entwickelte. Ein 25-jähriger Bildhauer, Johann Joachim Kaendler, setzte die Standards für Figuren und Tisch- und Tafelgeschirr in Porzellan. August der Starke forderte seine Manufakturisten und stellte sie immer wieder vor neue Herausforderungen, die sie an ihre Grenzen und darüber hinausbrachten. Bis heute beeinflusst Meissen die Porzellankunst und -kultur und ist somit der perfekte Rahmen für die Präsentation der Arbeiten junger, hochbegabter Keramiker.


Als Geschäftsführerin der Meissen Porzellan-Stiftung (MPS) komme ich täglich mit den über 33.000 historischen Meissener Porzellanen unserer Sammlung in Berührung. Als Kunsthistorikerin versuche ich aber immer auch den Blick zu weiten und über den Meissener Tellerrand zu schauen. Ganz besonders im keramischen Bereich ist es spannend zu verfolgen, welche Entwicklungen in künstlerischer und technischer Hinsicht gerade stattfinden, wie sich das Kunsthandwerk verändert. Deshalb freue ich mich besonders, dass wir im kommenden Jahr die Teilnehmer des Wettbewerbes zum Richard-Bampi-Preis in unserem Museum präsentieren dürfen.


Dass die Preisträger im Anschluss an den Wettbewerb mit Meissener Porzellan in den Ateliers der Manufaktur arbeiten können, ist dabei nur konsequent und wird auch dem Gedanken des Richard-Bampi-Preises gerecht, junge Keramiker nicht nur zu fördern, sondern sie auch (heraus) zu fordern. Die Besucher indes haben die einmalige Möglichkeit in eine Auseinandersetzung mit diesen edlen, kostbaren und leicht zerbrechlichen zeitgenössischen Objekten zu treten, die sie in der Ausstellung entdecken. Vielleicht entsteht ein kritischer Diskurs darüber und vielleicht werden auch Begehrlichkeiten und die Sammelleidenschaft geweckt. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse.“